Willkommen in der Rosenstadt Zweibrücken |
Herzlichen Dank an alle Wählerinnen und Wähler zu diesem großartigen Wahlergebnis bei der Oberbürgermeisterwahl am 4. September 2011.Sie haben sich nichts vormachen lassen und den amtierenden Oberbürgermeister abgewählt.Amtliches Ergebnis der OB-Wahl: Der amtierende OB Dr. Reichling hat von den 27.512 Wahlberechtigten 3.313 Stimmen bekommen, obwohl üblicherweise der amtierende OB die Wahl gewinnt. Jede/r der 15 SPD-Stadträte hat für sich mehr Personenstimmen bekommen. Im Vergleich die Ergebnisse der letzten Stadtratswahl 2009 auf http://www.spd-zweibruecken.de/wahlergebnisse.htmMit Ihrer Wahlentscheidung haben Sie gezeigt, dass in der Politik nicht Marketing alles ist, sondern es auf die Glaubwürdigkeit von Kandidaten ankommt.Herzlichen Dank auch an die Anhängerinnen und Anhänger von CDU, Grüner Liste und FDP, dass Sie sich für den Kandidaten Kurt Pirmann (SPD) entschieden haben zum Wohl der Stadt Zweibrücken. Besonders die Anhänger der CDU hatten das eigene parteipolitische Interesses hinten an gestellt, um durch die Wahl Pirmanns der Stadt zu helfen. |
Von Georg Altherr
Helmut Reichling ist es nicht gelungen, die Hoffnungen, die er vor acht Jahren geweckt hatte, zu erfüllen. Jetzt probiert es Kurt Pirmann.
Seit es in Rheinland-Pfalz die Urwahl gibt, geht ein Amtsinhaber - ob Oberbürgermeister, Landrat oder Bürgermeister - als Favorit in die Wahl, wenn er sein Amt verteidigen will. Helmut Reichling hat gestern sein Amt an Kurt Pirmann verloren. Warum hat er es nicht geschafft, am Ruder zu bleiben?
Ein Blick zurück mag weiterhelfen. Vor seiner triumphalen Wahl im Jahr 2003 hatte Reichling viel versprochen. Vor allem werde er als erfahrener Unternehmer und Wirtschaftsprofessor die Wirtschaftspolitik der Stadt verbessern und „endlich eine aktive Ansiedlungspolitik betreiben”. Er wolle den „rot-schwarzen Filz” im Rathaus beenden und die Stadtverwaltung leistungsfähiger machen, Entscheidungen transparent treffen. Reichling stellte in Aussicht, sich des desolaten Haushalts anzunehmen, letztlich wolle er die Neuverschuldung „auf null” senken. Und die Vororte sollten mehr Eigenständigkeit erhalten.
Acht Jahre später wird sich der Wähler gefragt haben, welche seiner Ziele Reichling erreicht hat. Er zog Bilanz und entschied sich, Kurt Pirmann ans Ruder zu lassen.
Reichlings Bilanz ist in der Tat nüchtern. Auf der Habenseite steht: Er hat Zweibrücken bei wichtigen Ereignissen wie den Feierlichkeiten „650 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken” hervorragend repräsentiert. Reichling hat auch den Vororten mehr Spielraum verschafft, indem er diesen ein eigenes Budget verschaffte. Das Vorhaben, auch den alten Stadtteilen Ortsbeiräte zu geben, scheiterte.
An Reichlings Wirtschaftspolitik scheiden sich die Geister. Er selbst rühmt sich, zig Firmen in Zweibrücken angesiedelt zu haben. Fakt ist: Bei den wichtigen Ansiedlungen am und auf dem Flughafen blieb er außen vor. Die übrigen Handelnden befürchteten, dass er da mehr schade als nutze.
Im Rathaus war Reichling nicht beliebt. Er mag den rot-schwarzen Filz beendet haben. Aber er ersetzte ihn durch eine neue Art von Filz.
Die Ära Reichling ist zu Ende. Der OB zeigte gestern in der Niederlage Größe. Er trat nicht nach, sondern fand für seinen Nachfolger noble Worte. Jetzt folgt die Ära Pirmann. Erst die Zeit wird zeigen, ob er die Berge von Problemen, die sich angehäuft haben, bewältigen wird."
Von Georg Altherr
Die Zweibrücker wählten Helmut Reichling vor acht Jahren triumphal zum Oberbürgermeister und ließen ihn jetzt wie eine heiße Kartoffel fallen. Das lag an ihm, nicht an seiner Unabhängigkeit.
Welch steiler Aufstieg! Welch tiefer Fall! Im Jahr 2003 gelang es Helmut Reichling als erstem parteiunabhängigen Kandidaten in Rheinland-Pfalz zum Oberbürgermeister gewählt zu werden. Und wie! Er holte 68 Prozent der Stimmen - und das gegen etablierte Kandidaten von SPD und CDU.
Gestern wählten ihn die Zweibrücker gnadenlos ab. Bedeutet dies, dass ein parteiunabhängiger Bürgermeister oder Landrat in Rheinland-Pfalz zum Scheitern verurteilt ist?
Nein, ist er nicht. In der Pfalz schafften parteilose Verbandsbürgermeister problemlos die Wiederwahl. Bürgermeisterwahlen sind Personenwahlen. Die Persönlichkeit eines Kandidaten entscheidet, die Partei ist da zweitrangig.
Reichling scheiterte nicht, weil er parteiunabhängig regierte; er scheiterte, weil er die von ihm gesteckten Ziele verfehlte. Ein OB, der die Erwartungen nicht erfüllt, wird abgewählt, ob er nun der CDU oder der SPD angehört oder als Einzelbewerber antritt. Die Kaiserslauterer beispielsweise schickten erst ihren OB Piontek (SPD) in die Wüste, acht Jahre später traf es OB Deubig (CDU). Jetzt haben die Zweibrücker ihrem Unabhängigen den Laufpass gegeben. Die einzige Lehre, die man daraus ziehen kann, lautet: Ein OB muss vor allem gut sein."
Quelle: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Zweibrücker Rundschau
Montag, den 05. September 2011
Ich bin sehr froh, dass die Wahl Kurt Pirmanns so überzeugend (57%) im ersten Wahlgang gelaufen ist. Für mich geht damit eine Leidenszeit im Stadtrat zu Ende und für andere auch, die sie still ertragen haben.
Das Ergebnis zeigt auch, dass ich mit meiner Einschätzung Reichlings nicht so falsch gelegen haben kann, sondern seine Schwächen nur früher erkannt hatte. Keinesfalls war meine Kritik an seiner Amtsführung ein "persönliches Scharmützel", wie es der Pfälzische Merkur immer darstellen wollte, um meine Glaubwürdigkeit zu untergraben und damit meine mehr als berechtigte Kritik an Helmut Reichling abzuschwächen. Der "schlechteste OB seit 1945" *) hatte stets jemanden gebraucht als Ausrede für sein Versagen. Dagegen braucht derjenige, der etwas kann, keine Ausreden.
Der überzeugende Wahlsieg Kurt Pirmanns hat auch gezeigt, dass die Wählerinnen und Wähler schon in der Lage sind zu erkennen, ob ein Kandidat ehrlich, authentisch und tatkräftig ist oder nicht. Wenn ein Oberbürgermeister diese wichtigen Eigenschaften aber offensichtlich nicht besitzt, muss man das auch öffentlich sagen dürfen, sonst könnte Demokratie nicht funktionieren.
Walter Rimbrecht
*) Äußerung mehrerer Stadtratskollegen